08.12.2025
In der jüngsten Zeit mehren sich die Rufe nach einem "Schlussstrich" unter die Auseinandersetzung mit dem Holocaust und den NS-Verbrechen. Damit hatte die Fortbildung "Fakten gegen Fake News: Holocaust und Entnazifizierung" für Polizeibeamte und -beamtinnen eine besondere Brisanz und Aktualität. Unter der Leitung von Dr. Haydée Mareike Haass, Antisemitismusbeauftragte an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol), widmeten sich die Teilnehmenden vom 2. bis 3. Dezember der Analyse von historischen Quellen. Ziel war es, Polizeibiografien, Aussageverhalten und historische Leerstellen vor und nach 1945 zu diskutieren und historisch einzuordnen. Hierfür besuchte die Gruppe auch den Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster.
"Wir sind in die Geschichte eingetaucht und haben untersucht, wie Falschmeldungen, Schutzbehauptungen und geschichtsrevisionistische Narrative seit Jahrzehnten weitergegeben werden – beispielsweise der angebliche Befehlsnotstand der Täter als Entlastungsmythos oder das Darstellen der Judenvernichtung als Kriegshandlung", gibt Haydée Mareike Haass einen konkreten Einblick. Hierfür haben sie auch strafrechtliche Beurteilungen von den 1950er-Jahren bis in die jüngste Zeit nachvollzogen. Als Quellen dienten unter anderem (Personal-)Akten, Selbstdarstellungen und Ermittlungsverfahren.
Originalzeugnisse als Schlüssel zum Verständnis von Mythenbildung
Neue Schlussstrichdebatten, Aussagen der Neuen Rechten oder Identitären Bewegung boten den Anlass zur kritischen Auseinandersetzung mit aktuellem Geschichtsrevisionismus. "Die Arbeit an ganz konkreten Texten oder mit Nachlässen der Villa ten Hompel ist unerlässlich, um historische Zusammenhänge zu verstehen und Mythen frühzeitig zu erkennen", betont die Antisemitismusbeauftragte. Dabei seien besonders Leerstellen sprechend: "Die Aufarbeitung nach Kriegsende war nie vollständig. Lücken in der Entnazifizierung bieten Einfallstore für revisionistische Erzählungen."