Inhalt anspringen

Von "Policeywissenschaft" bis zum Umgang mit KI: Konferenz zur Polizeiforschung spannt breiten Bogen

Die Fachtagung "Perspektiven der Polizeiforschung" an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) behandelt grundsätzliche theoretische und praxisnahe Fragestellungen und bringt Forschende unterschiedlicher Disziplinen zusammen.

24.03.2026

Vom historischen Rückblick auf Polizeiforschung, die ihre Ursprünge als „Policeywissenschaft“ im 17. Jahrhundert hat, bis hin zu digitalisierter Polizeiarbeit in Zeiten künstlicher Intelligenz – die Fachtagung „Perspektiven der Polizeiforschung – Forschungsansätze, Diskurse und aktuelle Befunde“ an der DHPol spannte zeitlich, methodisch und disziplinär einen breiten Bogen. Auf Einladung des Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Hans-Jürgen Lange, Leiter der „Forschungsstelle Innere Sicherheit“, kamen am 18. und 19. März 2026 über 50 Forschende der DHPol sowie externe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, um die Bandbreite aktueller Polizeiforschung abzubilden, Defizite zu identifizieren und diskutieren.

„Gibt es übergreifende Interessen in der interdisziplinären Polizeiforschung? Besteht Konsens hinsichtlich der Methoden, Theorien und wissenschaftlichen Standards oder geht der Trend eher zur Ausdifferenzierung des Forschungsfeldes? In welchem Verhältnis stehen kritische und empirische Polizeiforschung?“ Mit diesen Leitfragen führte Hans-Jürgen Lange in die Tagung ein.

Prof. Dr. Hans-Jürgen Lange begrüßt die Teilnehmenden.

Multidisziplinäre Reflexionen auf polizeiliche Forschung

Die Beiträge leisteten zum einen Selbstreflexionen der Polizeiforschung. Der Kriminologe Dr. Joachim Wittenberg von der DHPol (in Kooperation mit der Universität zu Köln) sprach über Tücken der empirischen Polizeiforschung wie etwa Datenschutz am Beispiel des Projekts „Motivation, Einstellung und Gewalt im Alltag von Polizeivollzugsbeamten“ (MEGAVO), während die Soziologin Prof. Dr. Daniela Hunold von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin die Möglichkeiten akademischer Qualifizierung in und mit Polizeiforschung beleuchtete. Wie steht es um die deutsche Polizeiforschung im internationalen Vergleich? Darauf gab Prof. Dr. Hartmut Aden, Politikwissenschaftler an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Antworten. Um Polizeiforschung als reflexive Wissenschaft im Zeitalter digitalisierter Polizeiarbeit ging es im Vortrag des Informatikers und Leiters des Polizeitechnischen Instituts (PTI). Prof. Dr. Wilfried Honekamp (DHPol), der zur kritischen Hinterfragung der Herkunft von und Arbeit mit KI-gestützten Daten mahnte. Über Polizeihochschulen in Deutschland sprachen Prof. Dr. Georgios Terzikakis und Georg Brandt, Politikwissenschaftler an der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit. Dr. Tobias John, Politikwissenschaftler und Leiter der „Vernetzungsstelle polizeiliche Sicherheitsforschung“ an der DHPol, widmete sich dem Ist-Zustand sowie den Potenzialen der polizeilichen Sicherheitsforschung.

Polizei und Gesellschaft: Migration, Rassismus und Demokratiebildung

Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz zielte auf die Verortung von polizeilicher Arbeit in der Gesellschaft ab. Der Rechtswissenschaftler Daniel Zühlke von der Universität Frankfurt forderte in seinem Vortrag eine systematische strafrechtliche Auseinandersetzung mit „Polizeigewalt“ im öffentlichen Raum. Einen Einblick in Polizeiarbeit in ethnisch diversen Stadtvierteln, deren Potenzial häufig unterschätzt werde, gab Prof. Dr. Rita Haverkamp, die an der Universität Tübingen die Stiftungsprofessur für Kriminalprävention und Risikomanagement innehat. Der Jurist Prof. Dr. Dr. Markus Thiel (DHPol) betonte in seinem Beitrag über rechtliche Steuerung neuartiger polizeilicher Maßnahmen etwa angesichts von Drohnen und Gesichtserkennung, dass Überwachung das Sicherheitsgefühl in der Gesellschaft auch reduzieren kann, wenn Menschen aus Sorge vor Datenanalysen ihr Recht auf Versammlungsfreiheit nicht mehr wahrnehmen. Der Kriminologe Alexander Wollinger fragte nach der Rolle von Polizeien im Diskurs um die sogenannte „Clankriminalität“. Über Rassismus als Thema in der Polizeiausbildung sprach die Erziehungswissenschaftlerin Josephin Kleemann von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, anschließend stellte die Polizeihistorikerin Dr. Haydée Mareike Haass, zugleich Antisemitismus-Beauftragte an der DHPol, ein Konzept zur Bildung der demokratischen Resilienz vor.  

„Die Polizeiforschung weist eine Vielzahl von fundierten Analysen auf. Das Angebot an Kommunikationsformen, um die einzelnen Forschungsansätze intensiver miteinander ins Gespräch zu bringen, ist indes verbesserungsfähig“, bilanzierte Prof. Dr. Hans-Jürgen Lange in der abschließenden Podiumsdiskussion mit Zustimmung der Forschenden. Ein Tagungsband ist geplant, eine Anschlusskonferenz in Vorbereitung. Sie wird insbesondere die behandelten Zukunftsthemen vertiefen wie neue Ansätze der Polizeiforschung, demokratische Resilienz und technologische Transformation der Polizeiarbeit.

Erläuterungen und Hinweise

Bildnachweise